Der Amerikanische Exzeptionalismus

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Der Amerikanische Exzeptionalismus

Das ach so einzigartige Land für dass keine Regeln gelten!

Der Begriff Amerikanischer Exzeptionalismus bezeichnet eine Ideologie, der zufolge die USA eine einzigartige Sonder­stellung unter den Nationen der Welt einnähmen, die aus ihrer besonderen Geschichte und aus ihrer einzig­artigen Machtfülle erwachse. Der Exzeptionalismus stellt die politische Kernideologie der USA dar. Er drückt sich, wie Stephen Kinzer schreibt, auch darin aus, dass die USA die einzigen in der Geschichte der Neuzeit sind, die überzeugt sind, dass sie Gottes Werk verrichten, indem sie ihr politisches und wirtschaftliches System anderen bringen.

Wegen ihrer Einzigartigkeit seien die USA, so die Vertreter des Exzeptionalismus, grundsätzlich an völker­rechtliche Vereinbarungen nur insoweit gebunden, wie ihnen dies nützt. Auch ließen sich ihre Taten grundsätzlich nicht nach den moralischen Normen bewerten, nach denen die USA die Taten anderer Nationen bewerten. Denn es könne grundsätzliche keine "moralische Äquivalenz" zwischen den USA und anderen Staaten in der Bewertung ihrer Taten geben, da sich Verbrechen von wesenshaft Guten nicht mit Maßstäben bewerten ließen, die man an Verbrechen von wesenhaft Schlechten anlegt. Folglich mögen die USA zwar gelegentlich Fehler machen, können jedoch aus grund­sätzlichen Gründen keine Kriegs­verbrechen begehen - weder in Vietnam, noch im Irak oder in Syrien. Und aus ebenso grund­sätzlichen Gründen können sie auch keine Zivilisten ermorden, sondern Zivilisten sterben einfach als kollaterale Folge bester Intentionen.

Es gehört nicht viel dazu, den Exzeptionalismus - der in der Geschichte, auch der europäischen, in vielfältigen Formen auftrat und auftritt - als eine moralische und intellektuelle Pathologie zu erkennen - eine Pathologie, die mitverantwortlich für die größten Blutspuren in der Zivilisations­geschichte ist. Gleichwohl finden sich wieder zahllose Intellektuelle, die bereit sind, diese Pathologie mit einer Recht­fertigungs­ideologie zu versehen. Da die USA wesenhaft gut seien, entzögen sich ihre Taten grundsätzlich einer Bewertung nach völker­rechtlichen Normen.

Der damalige Chefankläger in den Nürnberger Kriegs­verbrecher­prozessen Robert H. Jackson (1882-1954) hatte seinerzeit festgestellt, dass die Rechts­prinzipien, die in Nürnberg entwickelt worden sind, allgemein­gültig seien und somit auch zukünftig bei einer rechtlichen Bewertung von Verbrechen anderer Staaten, auch der USA, zugrunde gelegt werden müßten. Würde man diesen Anspruch ernst nehmen, so hätte, wie Noam Chomsky bemerkte, jeder amerikanische Nachkriegs­präsident als Kriegsverbrecher gehängt werden müssen.

Rainer Mausfeld

Darf die USA jedes Verbrechen ungestraft begehen?

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