Giftgas-Angriffe in Syrien unter falscher Flagge?

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Giftgas-Angriffe in Syrien unter falscher Flagge?
Um die Giftgas-Angriffe in Syrien tobt ein Kampf der Interpretationen. So behauptet beispielsweise der Autor Michael Lüders, ein Giftgaseinsatz im Jahr 2013 sei wohl unter "falscher Flagge" verübt worden. Was spricht für diese Behauptung?

Der Krieg in Syrien beschäftigt seit Jahren die Weltöffentlichkeit. Russland und der Iran unterstützen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad militärisch, während der Westen Rebellengruppen hilft, die gegen Assad und die Terrormiliz "Islamischer Staat" kämpfen. Seit den Luftangriffen der USA als Reaktion auf einen Giftgaseinsatz in Chan Scheichun wird vor allem darüber debattiert, ob diese Maßnahme angemessen sei oder den Krieg noch ausweite.

Zentrale Frage dabei: Wer ist für den Einsatz von Giftgas verantwortlich? Die USA und Großbritannien behaupten: das Assad-Regime. Russland und Syrien weisen das zurück. In dieser Debatte um die Schuldfrage wird mit ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit argumentiert - vor allem mit dem Giftgaseinsatz im August 2013 in Ghouta, der fast zu einer Intervention der USA geführt hatte.

Der Autor und Berater Michael Lüders behauptete nun zunächst in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" vom 5. April und dann in der ARD-Sendung "Anne Will" vom 9. April, er wisse, warum der damalige Präsident Barack Obama damals keinen US-Angriff auf Syrien befohlen habe

Lüders führte bei "Lanz" aus, Obama sei von den eigenen Geheimdiensten gewarnt worden. Die britischen und amerikanischen Dienste hätten das Giftgas in Ghouta untersucht und seien zu dem Schluss gekommen, dieses Giftgas befinde sich nicht in den Beständen der syrischen Armee. Daraufhin seien die Geheimdienste sehr vorsichtig geworden, so Lüders.

"False-Flag-Operation"

Weiterhin behauptete Lüders, "mittlerweile wissen wir, mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, dass es nicht das Regime war, das für diesen Giftgaseinsatz verantwortlich war". Vielmehr gingen die Indizien dahin, dass es sich um einen "Angriff unter falscher Flagge" gehandelt habe. Nach allem, was man bislang vermuten dürfe und was wohl als gesichert zu gelten habe, sei dies eine Zusammenarbeit der Al-Nusra-Front mit dem türkischen Geheimdienst gewesen, sagte Lüders. Die Türkei habe "ganz offenkundig diese Nusra-Front bewaffnet mit Sarin-Gas".

In den sozialen Netzwerken wurden diese Ausführungen von Lüders tausendfach geteilt und oft als wohltuend kritisch gewürdigt. Doch wie substantiell sind diese Behauptungen?

Wer verübte die Giftgasanschläge in Syrien?